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Wie man frühzeitig erkennt, ob Hassfunken im Internet einen Brand auslösen.
Aus Wissenschaftsmagazin vom 24.08.2019.
abspielen. Laufzeit 05:07 Minuten.
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Hass im Netz «Was heute fehlt, sind pointierte Gegenmeinungen»

Eine neue Studie zeigt Wege auf, wie man Hasskommentare im Netz nachhaltig eindämmen könnte.

Beleidigungen und Beschimpfungen bis hin zu Todesdrohungen und Aufrufen zur Gewalt: Die Hassäusserungen im Netz breiten sich aus und sind kaum zu stoppen.

Auch wenn etwa Facebook fürs erste Quartal 2019, Link öffnet in einem neuen Fenster einen Viertel mehr gelöschte Hassposts vermeldet als noch ein halbes Jahr zuvor: Die heutigen Kontrollen von Hassposts tilgen nur die Spitze eines Eisbergs, da sind sich Fachleute einig.

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Wie umgehen mit dem Hass im Netz?
Aus SRF News vom 24.01.2019.
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Ein wichtiger Grund, dass der Hass weiter ins Kraut schiesst: Die Social-Media-Unternehmen jäten nur im eigenen Garten und konzentrieren sich dort auf die grossen Hassgruppen, hält eine neue Studie im Fachmagazin «Nature», Link öffnet in einem neuen Fenster fest.

«Selbst wenn Facebook eine solche grosse Hassgruppe von ihren Websites verbannt, wie das beim Ku-Klux-Klan geschehen ist: Diese gut etablierte Gruppe war damit nicht ausgelöscht», sagt Neil Johnson, Co-Autor der Studie. Diese Gruppe habe sich zum Teil einfach auf eine russische Plattform verlagert und sei von dort später auf Facebook zurückgekommen – mit dem Namen in kyrillischer Schrift.

Kleine statt grosse Hassgruppen sperren

Vielversprechender sei es, so Johnson, plattformübergreifend vorzugehen und statt grosse die zahlreicheren kleinen Hassgruppen zu sperren: «Indem wir verhindern, dass die Kleinen gross werden, erreichen wir langfristig mehr.»

Der Physiker der Universität Washington hat mit Kollegen ein mathematisches Modell entwickelt, dass die Netzwerke des Hasses sichtbar macht. Er regt auch Massnahmen wie Mediatoren an, die im Netz vermitteln sollen.

Die Technik kann nicht alles regeln

Wie gut das in der Praxis funktioniert, muss sich aber noch zeigen. Überhaupt – auf technischem Weg könne man Hass im Netz nur bedingt bekämpfen, ist Soziologin Katja Rost von der Universität Zürich überzeugt.

Zu fehlerhaft und überprüfungsintensiv seien die Such-Algoritmen. Das Löschen von Konten könne auch bewirken, dass manche ihrem Hass anderweitig Luft machen.

Pointierte Gegenmeinungen

Rost hält es für wichtiger, bei der Gesellschaft anzusetzen: «Was heute fehlt, sind pointierte Gegenmeinungen. Die Leute haben Angst vor diesem Hass im Internet und äussern sich daher oft nur noch verhalten.»

Dies mit gutem Grund: In den letzten Jahren seien zahlreiche Hassbetroffene nach einem Shitstorm von ihren Arbeitgebern und politischen Parteien fallengelassen worden, «zu Unrecht, wie sich im nachhinein zeigte».

Es brauche daher nebst mutigen Prominenten, die sich in grosser Zahl einem Shitstorm aussetzen, auch die Unterstützung der Institutionen. Zudem brauche es mehr Zurückhaltung bei den Boulevardmedien, um den Hass im Netz nicht unnötig anzuheizen.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Was Fachleute wie jene vom Verein «Netzcourage» auch betonen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Nur schon eine Verunglimpfung als «Schlampe» kann zu einer Busse im drei- bis vierstelligen Bereich führen, wenn eine Anzeige erfolgt.

Oft brauche es gar keine Anzeige, sagt Katrin Sprenger von Silenccio, einem Startup, das für Hassbetroffene das Internet durchsucht: «In der Regel reicht es, wenn wir einem Hetzer mit einer Anzeige drohen, damit er seinen Post löscht.» Sogar anonyme Posts würden bei Meldung an die betroffene Plattform zumindest in vielen Fällen recht schnell gelöscht.

Aktiv gegen Hass im Netz

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43 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Also ich gebe mir sehr wohl Mühe pointierte Gegenmeinungen aufzuzeigen. Wir aber in der Schweiz im Grossen und Gazen nicht gerne gesehen. Lieber steckt man den Kopf in den Sand und stimmt dann bei der nächsten Abstimmung doch lieber das ab was von Oben diktiert wird. Anstatt mal auf seinen Verstand zu hören. Der Schweizer ist verschlossen, ängstlich und reserviert. Glaube auch nicht, das er mal weltoffener und toleranter wird. Siehe nur Behindertendebatte, Vaterschaftsurlaub, Mindestlohn, etc.
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    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      „Von oben diktiert“ wird hierzulande gar nichts!
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  • Kommentar von Rochus Schmid  (Rochus Schmid)
    Wichtig ist, dass Menschen nicht "abgekoppelt" werden. Die Schule hat da noch "Hausaufgaben": Wer nicht mit "Schulintelligenz" punkten kann wird "ungenügend". Hasskommentare sind für mich oft ein Notruf von Ausgegrenzten. Wenn wir sie blockieren geraten sie noch mehr ins Abseits. Laden wir sie besser zu Gesprächsrunden ein. So lernen wir sie und ihre Anliegen besser kennen. Mediation kann viel entspannen.
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Wie man einem Kinde in vielen Belangen die Grenzen aufzeigen muss, haben auch allgemein Menschen Regeln für den Umgang mit seinesgleichen. Da ist die Sprache ein wichtiges Vehikel. Erst dadurch werden Tatsachen geschaffen, weil plötzlich etws gang und gäbe wird.
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  • Kommentar von Søren Ehlers  (Søren)
    SRF News als Gastgeber dieses Forums wird hier in vielen Kommentaren vorgeworfen, politische Zensur zu betreiben. Da wir die nicht veröffentlichten Kommentare nicht sehen, lassen sich diese Behauptungen nicht belegen. Meine Frage an SRF.ch: führen Sie eine Statistik darüber, aus welchen Gründen Kommentare nicht veröffentlicht werden? Meine Vermutung: die meisten bleiben hängen, weil sie andere Komentarschreibende provozieren wollen oder Unterstellungen machen.
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Søren Ehlers Die Kriterien, nach denen wir Kommentare publizieren oder nicht, sind transparent. Die Netiquette finden Sie hier: https://www.srf.ch/hilfe/rechtliches/netiquette-und-user-generated-content-ugc.
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    2. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      @srfkultur: dies beantwortet die Frage von Søren Ehlers nicht, welche auf eine transparente Darstellung von Zurückweisungsgründen abzielt. Auch mich würde das interessieren.
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    3. Antwort von SRF Kultur editor
      @W. Pip Um die Frage konkret zu beantworten: Wir führen keine Statistiken darüber, warum welche Kommentare nicht publiziert werden. Meinen Sie Transparenz im Sinne, wie es beispielsweise Zeit Online handhabt?
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    4. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      W. Pip. Genügt die Netiquette für sie nicht. Wissen sie nicht wie man mit andern umgeht, angefangen mit der Sprache?
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    5. Antwort von Nicolas Knecht  (hinkelstein)
      SRF News ist das andere extrem: Die Zensur verhindert pointierte Gegenkommentare. Ich schreibe meist nur Kommentare wenn ich Meinungen anderer Leute als absolut inkorrekt einschätze. Die Hälfte jedoch wurde nie veröffentlicht. Die Netiquette von SRF ist viel zu eng geschnallt: Wäre das Parlament hier am Diskutieren, wäre das Forum leer. Wie kann so ein produktiver Dialog entstehen, wenn man eine Meinung nicht angreifen darf? Ergo sind die Kommentarzeilen hier Brutstätten für Extrempositionen.
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    6. Antwort von Nicolas Knecht  (hinkelstein)
      @srf: Sie argumentieren die Kriterien zur Kommentarfreischaltung seien transparent. Nun, die Nettiquette nennt "Verallgemeinerungen, Unterstellungen oder Behauptungen, die sich nicht überprüfen lassen" als Grund zur nicht-Freischaltung. Je nachdem, wie kleinlich man den Punkt wertet, würden evtl. viele veröffentlichte Kommentare darunter fallen. Hat der Editor damit nicht einen massiven Interpretationsspielraum, welcher (unbewusst) von der eigenen Position beeinflusst ist? Ist das Transparenz?
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