Zum Inhalt springen

Header

Audio
Fotografinnen an der Front
Aus Kultur-Aktualität vom 28.02.2020.
abspielen. Laufzeit 03:28 Minuten.
Inhalt

Kriegsfotografinnen Frauen an der Front

Nicht nur Männer, auch Frauen haben als Bildreporterinnen immer wieder aus Kriegen berichtet. Dass sie das nicht anders tun als Männer, zeigt eine Ausstellung im Fotomuseum Winterthur.

Die Ausstellung bringt es auf den Punkt: Fotogeschichte ist auch Kriegsgeschichte. Kaum erfunden, wurde die neue Technik für die Berichterstattung aus dem Krimkrieg Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt.

Einen ersten Höhepunkt erlebte die Kriegsreportage im spanischen Bürgerkrieg ab 1936. Zahlreiche Magazine und Illustrierte druckten die Fotos des weltberühmten Robert Capa aus diesem Krieg.

Vergessene Pionierinnen

Szenisch, mittendrin, mit klarer Parteinahme gegen Franco fotografierte aber auch Gerda Taro, Capas Partnerin. Er wurde weltberühmt, sie starb – noch keine 27 Jahre alt – in Spanien.

Taros Fotos haben überlebt: Sie werden seit einigen Jahren wiederentdeckt, gewürdigt und eröffnen jetzt in Winterthur die Ausstellung «Fotografinnen an der Front», welche Arbeiten von acht Kriegsfotografinnen zeigt.

Kind isst Suppe
Legende: Gerda Taro, Kriegswaise beim Suppenessen, Madrid, Spanien, 1937. © International Center of Photography, New York

Gerda Taro war eine Pionierin. «Es gab aber immer Fotografinnen, die in Kriegs- und Krisengebieten unterwegs waren», sagt Nadine Wietlisbach vom Fotomuseum Winterthur.

Kriegsberichterstattung für «Vogue»

Eine von ihnen ist Lee Miller. Sie dokumentierte im Zweiten Weltkrieg den Vormarsch der Alliierten in Frankreich und Deutschland. Miller berichtete zwar für die Vogue, machte aber Bilder wie ihre männlichen Kollegen.

schwarze Rauchwolke
Legende: Lee Miller, Der Fall der Zitadelle: Eine schwarze Rauchwolke steigt nach der ersten Bombardierung durch P38-Kampfflugzeuge auf, Saint-Malo, Frankreich, 1944. © Lee Miller Archives, England 2019. All rights reserved. leemiller.co.uk

Sie dokumentierte Kampfhandlungen an der Front, berichtete von der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und blickte in den Alltag. Miller hielt Strafaktionen gegen Französinnen fest, die sich mit Deutschen einliessen. Deren kahl rasierte Köpfe stechen als weisse Flecken aus den Schwarz-Weiss-Bildern heraus.

Chronologie des Grauens

Ausgehend von den Pionierinnen zeigt die Ausstellung chronologisch, wie acht Fotografinnen Krisen und Konflikte dokumentierten. Vom spanischen Bürgerkrieg über Vietnam, Kambodscha, den Nahen Osten bis hin zu Afghanistan und Irak.

Deutlich wird: Es gibt keinen weiblichen Blick. Die Fotos von Frauen sehen nicht anders aus als die von Männern. Und doch gibt es Unterschiede.

Junge hält eine Spielzeugwaffe, während er mit anderen Karussell fährt
Legende: Anja Niedringhaus, Ein afghanischer Junge hält eine Spielzeugwaffe, während er mit anderen Karussell fährt und das Ende des Ramadanfests feiert, Kabul, Afghanistan, September 2009. © picture alliance / AP Images

Zwar haben sie es als «embedded journalists» schwieriger im Verband der Soldaten. Aber Frauen finden als Fotografinnen leichter Zugang zur zivilen Bevölkerung.

Das spiegeln ihre Bilder. Was Krieg mit dem Alltag anstellt, ist in der Arbeit von Kriegsfotografinnen oft zu sehen.

Karusselfahrt
Legende: Anja Niedringhaus, Palästinensische Jugendliche geniessen eine Karusselfahrt im Vergnügungspark ausserhalb von Gaza-Stadt, Gaza-Stadt, Gazastreifen, März 2006. © picture alliance / AP Images

Dieselben Probleme

Fazit: Die Ausstellung zeigt exemplarisch, dass Bilder von Kriegsfotografinnen nicht anders sind als die ihrer männlichen Kollegen.

Sie zeigt darüber hinaus, dass sich bei Fotos von Frauen und Männern dieselben Probleme stellen: Ist das, was zu sehen ist, Propaganda? Wieviel Inszenierung ist dabei? Was spielt sich im Rücken des Fotografen bzw. der Fotografin ab? Was nimmt er oder sie eben nicht in den Fokus? Und warum?

Kriegsfotografie von Frauen und Männern kann nur versuchen zu zeigen, was ist. Oft genug ist die Wahrheit viel komplexer.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 28.02.2020, 17:20 Uhr

Ausstellungshinweis

Die Ausstellung «Fotografinnen an der Front, Link öffnet in einem neuen Fenster» ist im Fotomuseum Winterthur vom 29. Februar bis zum 24. Mai 2020 zu sehen.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.