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Jean Paul Gaultiers letzte Show
Aus Glanz & Gloria-Clip vom 23.01.2020.
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Letzte Show Modepionier Jean Paul Gaultier verabschiedet sich vom Modezirkus

50 Jahre lang prägte der französische Designer Jean Paul Gaultier die Modewelt mit seiner Handschrift. Nun feiert das «enfant terrible» unter den Modemachern seinen Abschied von der Haute Couture.

Der Modejournalist Alfons Kaiser spricht über die Errungenschaften von Gaultier jenseits des Matrosen-Looks.

Alfons Kaiser

Alfons Kaiser

Modeexperte

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Alfons Kaiser (*1965) ist deutscher Journalist. Seit dem 1. März 2000 ist er verantwortlich für das Ressort Deutschland und die Welt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, seit 2013 auch für das Frankfurter Allgemeine Magazin. Sein Spezialgebiet ist das Thema Mode.

SRF: Was zeichnete Jean Paul Gaultier aus?

Alfons Kaiser: Er war von vornherein viel kreativer, viel wilder, viel erfindungsreicher als die meisten seiner Kollegen. Als andere noch brave Hosenanzüge für die Frau schneiderten, war er schon beim Rock für Männer. Während andere Modeschauen wie am Fliessband abliefen, machte er schon richtige Revuen.

Ein Model mit Vitiligo halbnackt auf dem Laufsteg.
Legende: «This show celebrating 50 years of my career will also be my last», verkündete der Designer im Vorfeld seiner Haut-Couture-Schau am 22. Januar 2020 in Paris. Auf dem Laufsteg im Théâtre du Châtelet zu sehen war unter anderem das bekannte Model Winnie Harlow. Getty Images / Pascal Le Segretain

Gaultier hat nicht nur die Mode sehr stark verändert, sondern auch deren Darstellung, deren Inszenierung. Er hat so wilde und tolle Schauen veranstaltet, dass die Modejournalisten heute noch davon reden.

Er galt als Exzentriker und Paradiesvogel. War Gaultier auch ein Pionier?

Auf jeden Fall. Zum Beispiel, was die Vermischung der Geschlechter angeht. Viele Unternehmen hatten die Unisex-Mode erst für sich entdeckt, als der Trend im Mainstream angekommen war. Gaultier hat das vorweggenommen.

Madonna auf der Bühne.
Legende: Ikonisch und umstritten: Madonna in der berühmten Corsage mit dem «Cone-Bra» auf ihrer Tour 1990, entworfen von Gaultier. Reuters / Jerry Lampen

Gaultier hatte früh erkannt, was sich gesamtgesellschaftlich entwickeln würde: die Vermischung der Geschlechter. Und er hat das sehr früh in seine Kollektionen einfliessen lassen. Damals war das revolutionär. Viele Leute haben sich auch ein bisschen angewidert abgewendet.

Ein Model läuft über den Laufsteg.
Legende: Bekannt war Gaultier auch für seine androgynen Entwürfe: Hier das Model Andrej Pejic bei einer «Women's Ready-to-Wear»-Schau 2013 in Paris. Reuters / Benoit Tessier

Würden Sie sagen, er war auch ein Rebell?

Ja, denn dazu gehörte Mut. Die Modeindustrie war damals eine recht konservative Veranstaltung. Yves Saint Laurent, Chanel, Dior machten «business as usual». Das hat Gaultier aufgebrochen. Zum Beispiel, indem er Alte, Dicke oder Behinderte auf den Laufsteg holte. Er wollte damit eine Vielfalt ausdrücken. Seine Schauen sollten nicht so uniform aussehen wie die anderen.

Ein dickes Model in Strapsen.
Legende: Gaultier holte auch Models jenseits der typischen Modelgrössen auf den Laufsteg. Reuters / Philippe Wojazer

Gaultier hat die Homosexualität früh positiv besetzt. Hat er die Schwulenästhetik eher aus kommerziellen oder aktivistischen Gedanken heraus popularisiert?

Ich denke, er wollte wirklich aufklären. Er wollte zeigen, was es alles gibt. Er wollte dieses Freiheitsgefühl transportieren. Dass sich das dann auch gut verkaufte, war natürlich ein schöner Nebeneffekt.

Aber die Einnahmen, die er mit seiner Mode machte, waren ohnehin nie so gross. Das meiste hat er mit seinen Parfums erwirtschaftet. Im Grunde war Gaultier nie ein kommerziell getriebener Designer, sondern jemand, der seine Welt, seine Fantasie und seine Ideen auf den Laufsteg bringen wollte.

Gaultier in einem gestreiften Shirt.
Legende: Eines von Gaultiers Markenzeichen ist das weisse Langarm-T-Shirt mit schmalen blauen Querstreifen im Marine-Stil. Getty Images / Pascal Le Segretain

Sein Markenzeichen ist unter anderem der Streifen-Look, der in den frühen 1980er-Jahren aufkam. Was fällt Ihnen sonst noch ein, wenn Sie an Jean-Paul Gaultier denken?

Der Rock für Männer. Dieser hat sich zwar bis heute nicht durchgesetzt, aber das zeigt ja nur, wie avantgardistisch Gaultier unterwegs war. Es ging ihm darum zu zeigen, dass es auch immer anders geht. Und diese Alternative – im Gegensatz zur Alternativlosigkeit, die oft gepredigt wird – herauszustellen, das war seine Leistung.

Das Gespräch führte Katrin Becker.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 23.1.2020, 8:20 Uhr

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