Empörung über US-Präsidenten Trump kritisiert Einwanderung aus «Drecksloch-Ländern»

Video «Neuer verbaler Misstritt von Trump» abspielen

Neuer verbaler Misstritt von Trump

1:01 min, aus Tagesschau vom 12.1.2018
  • US-Präsident Donald Trump soll bei einem Treffen zur Einwanderungspolitik die Aufnahme von Migranten aus Haiti und afrikanischen Staaten in Zweifel gezogen haben.
  • Insidern zufolge soll er diese Länder am Donnerstag als «Drecksloch-Länder» bezeichnet haben.
  • Der Bericht geht auf die «Washington Post» zurück. Die mutmassliche Aussage des US-Präsidenten sorgt in den USA für teils heftige Reaktionen.
Trump im Oval Office Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trump soll sich im kleinen Kreis übel im Ton vergriffen haben. Auch Parteikollegen reagieren entrüstet. Keystone/Archiv

Einem der Insider zufolge sagte Trump bei einer Besprechung mit Senatoren beider Parteien im Weissen Haus: «Warum wollen wir diese Leute aus Afrika hier haben? Das sind Drecksloch-Länder (englisch: ‹Shithole-Countries›)... Wir sollten mehr Leute aus Norwegen haben.» Der zweiten mit der Unterhaltung vertrauten Person zufolge zog Trump zudem in Zweifel, dass Menschen aus Haiti in die USA kommen sollten.

«  Bestimmte Politiker in Washington haben sich entschieden, sich für andere Länder einzusetzen, aber Präsident Trump wird immer für die Amerikaner kämpfen. »

Raj Shah
Sprecher von US-Präsident Trump

Eine dritte Person sagte, Trump habe gefragt, warum die USA ungelernte Arbeiter aus den betroffenen Ländern aufnehmen sollten, anstatt Migranten aus Staaten willkommen zu heissen, die qualifizierte Arbeitskräfte anbieten könnten. Trump habe nicht beabsichtigt, jemanden mit seinen Äusserungen zu beleidigen.

Ein Sprecher des US-Präsidialamtes dementierte nicht, dass Trump diese Aussagen gemacht habe: «Bestimmte Politiker in Washington haben sich entschieden, sich für andere Länder einzusetzen, aber Präsident Trump wird immer für die Amerikaner kämpfen», sagte Raj Shah.

Einschätzung von SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen

Die Äusserungen des Präsidenten stossen in den USA auf breite Empörung, auch wenn Trumps Lager versucht, die Worte schönzureden. Mit den beleidigenden Worten brockt er sich nicht nur auf dem internationalen Parkett Ärger ein, sondern auch innenpolitisch. Bis zum 19. Januar soll in Washington ein Kompromiss zur Immigrationspolitik geschmiedet werden. Im Kongress ist Trump auch auf Stimmen von Demokraten angewiesen. Doch seine Äusserungen machen es den Demokraten nun immer schwerer, sich auf Verhandlungen einzulassen. Die demokratische Basis wird nun mehr denn je einen harten Kurs gegen den Präsidenten fordern. Eine Lösung ist in weite Ferne gerückt, dabei geht es um das Schicksal von Hunderttausenden Einwanderern. Selbst ein «Government Shutdown», ein Stillstand des Regierungsapparats ab dem 19. Januar, ist wegen des Konflikts im Bereich des Möglichen.

Viele Demokraten und auch einige Republikaner reagierten umgehend auf Trumps Äusserungen. Der demokratische Kongressabgeordnete Luis Gutierrez sagte, es sei nun «zu hundert Prozent sicher, dass Trump ein Rassist sei.» Mia Love, republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus mit haitianischen Wurzeln sagte, die Worte stünden in krassem Widerspruch zu den amerikanischen Werten.

Trump stellt Immigrationspraxis auf den Kopf

Im November hatte die Trump-Administration entschieden, den vorübergehenden Schutzstatus für Flüchtlinge aus Haiti und Nicaragua zu beenden. Die Regierung gab den schätzungsweise 59'000 Immigranten aus Haiti bis Juli 2019 Zeit, ihren Status zu legalisieren oder in ihre Heimat zurückzukehren. Nicaraguaner ihrerseits müssen das bis Januar 2019 tun.

Und erst vor wenigen Tagen beschloss Trumps Regierung, etwa 200'000 Salvadorianern den besonderen Schutzstatus ab September kommenden Jahres zu entziehen. Der Senat will das Programm dagegen beibehalten und im Gegenzug ein Losverfahren auslaufen lassen, durch das 50'000 Menschen pro Jahr aus Ländern in die USA kommen dürfen, aus denen vergleichsweise wenige Migranten stammen.

Ausserdem treibt Trump seine Pläne zum Mauerbau an der Grenze zu Mexiko voran und plant, den sogenannten «Dreamern» den Schutzstatus zu entziehen. Bei ihnen handelt es sich um Migranten, die als Kinder in die USA gekommen sind.

Trump dementiert die Aussage via Twitter

«Das war nicht die Sprache»

US-Präsident Donald Trump hat Berichte zurückgewiesen, wonach er bestimmte Herkunftsländer von Migranten als «Drecksloch-Staaten» bezeichnet haben soll. «Die Sprache, die ich bei dem Daca-Treffen benutzt habe, war hart, aber das war nicht die Sprache, die benutzt wurde», schrieb Trump am Freitag auf Twitter.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel