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Erster globaler Bericht des UNO-Weltartenschutzrats
Aus Tagesschau vom 06.05.2019.
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Vom Menschen verschuldet Die Natur verschwindet – in rasendem Tempo

Der Weltbiodiversitätsrat hat heute in Paris seinen ersten globalen Bericht präsentiert. Das Fazit: Will die Menschheit den Kollaps verhindern, braucht es einen tiefgreifenden Wandel.

Es ist der umfassendste Bericht zum Zustand der Artenvielfalt, der jemals ausgearbeitet wurde: 145 Experten aus 50 Ländern analysierten in den vergangenen drei Jahr mehr als 15'000 Quellen. Eine Woche lang sind nun in Paris die 132 Mitgliedsstaaten des Weltbiodiversitätsrats IBPES zusammengesessen und haben den Bericht verabschiedet.

Kein schönes Bild

Ähnlich wie beim weitaus bekannteren Weltklimarat IPCC ist das Bild, das die Wissenschaftler vom Zustand der Welt zeichnen, kein schönes. Die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen und die Umweltverschmutzung nehmen bei einem wachsenden Bedarf an Lebensmitteln, Energie und Rohstoffen stetig zu.

Nicht verwunderlich, denn in den vergangenen 50 Jahren hat sich die Bevölkerung verdoppelt, der pro-Kopf Konsum hat zugenommen und die globale Wirtschaft hat sich fast vervierfacht.

Biene bestäubt weisse Blume.
Legende: Das Bild, das die Wissenschaftler vom Zustand der Welt zeichnen, ist kein schönes. Keystone

Parallel dazu nehmen die Leistungen, die die Natur erbringt, ab. Die Böden sind belastet und verlieren an Fruchtbarkeit, die Meere sind leergefischt, das Mikroklima verschlechtert sich, Naturgefahren nehmen zu.

Verschiedene Zukunftsszenarien

Der Bericht zeigt verschiedene Zukunftsszenarien für die kommenden 30 Jahre auf. Macht die Welt weiter wie bisher, werden die negativen Auswirkungen – insbesondere, aber nicht nur – in Südamerika, Afrika und Asien enorm gross sein. Konflikte um Ressourcen nähmen zu und die Ärmsten wären am stärksten betroffen. Unter ihnen vor allem Frauen und Kinder.

Mission B – beteiligen auch Sie sich!

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Mission B – beteiligen auch Sie sich!

Die Aktion Mission B ist ein gemeinsames Projekt der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehstationen aller vier Sprachregionen. Ziel von Mission B ist es, die Biodiversität in der Schweiz nachhaltig zu fördern.

Auch die Schweiz verliert jede Sekunde fast 0.7 Quadratmeter Grünfläche. Die Insekten sterben, die Vögel werden immer weniger, viele Pflanzen- und Tierarten sind bedroht. Denn wir Menschen brauchen immer mehr Platz, sei es für Wohn- und Siedlungsraum oder für intensive Landwirtschaft.

Als Plan B für die Natur soll innert eineinhalb Jahren möglichst viel biodiverse Fläche entstehen, in der Schmetterlinge, Vögel, Wildbienen, Eidechsen und Igel ein Zuhause finden. Beteiligen auch Sie sich.

Eine Wende zum Besseren wäre nur durch eine tiefgreifende Transformation der heutigen Wertevorstellungen und der gesellschaftlichen Strukturen erreichbar. Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch müssten voneinander entkoppelt werden.

Lange Massnahmenliste

Zudem müssten die Staaten den Erhalt und die Förderung der Biodiversität stark priorisieren. Statt isolierter Umweltdepartemente, die meist einen geringen Handlungsspielraum haben, bräuchte es deren Integration in alle Sektoren. Von der Landwirtschaft über die Bildung bis hin zum Finanzwesen.

Schädliche Subventionen müssten abgeschafft, neue Anreize geschaffen und das Umweltbewusstsein gesteigert werden: Die Liste der Lösungen und möglichen Massnahmen ist lang.

Einen hohen Stellenwert hat laut dem Bericht auch das Wissen indigener Völker und lokaler Gemeinschaften über die Natur, deren Erhaltung und nachhaltige Nutzung. Dieses Wissen zu erhalten und zu fördern sei essentiell.

Ziele nicht erreicht

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Menschheit bisher nicht zu effektivem Handeln bereit ist. So hatten sich etwa die 196 Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention vor acht Jahren auf die sogenannten Aichi-Ziele geeinigt: Bis 2020 wollten sie den Verlust der Lebensräume um die Hälfte reduzieren, die Überfischung stoppen und die Schutzgebiete an Land auf 17 Prozent und unter Wasser auf zehn Prozent erweitern. Schon heute steht fest, dass sie höchstens einen Bruchteil dieser Ziele erreichen werden.

2020 verhandeln die Regierungen der Welt die neuen Zielsetzungen und Rahmenbedingungen für den künftigen Umgang mit der Natur. Der Bericht macht deutlich, dass der Erhalt einer intakten Natur nicht nur aus ethischer Sicht zentral ist. Er ist auch die Voraussetzung für so überlebenswichtige Faktoren wie Ernährungssicherheit, Klimaschutz, Frieden und Wohlstand.

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Wie steht es um die Artenvielfalt in der Schweiz?
Aus 10vor10 vom 06.05.2019.
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148 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    ohne system change wird es nicht gehen. so lange es profitabel ist, diese welt zu ruinieren, wird die gier die vernunft dominieren. was mich nur wundert ist, dass die kurzfristige profitgier sogar über den selbsterhaltungstrieb und den überlebenswillen gestellt wird. denken die profiteure, es werde sie nicht treffen?
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    "in den vergangenen 50J hat sich die Bevölkerung verdoppelt" müsste fettgedruckt sein, denn alles andere ist vertagte Pflästerlipolitik, Investitionen in etwas, was nicht mehr gerettet werden kann. Nicht zu leugnen, dass die grosse Masse Mensch sich von Anfang an nie als Teil der Natur sehen, diese Natur stets nur ausbeuten, nie etwas zurückgeben, sich niemals einschränken wollte/konnte. Sie wird es nie, bis es zu spät ist, wenn nicht endlich das Thema Geburtenregelung weltweit angepackt wird.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Immerhin gibt es dafür jeden Tag tausende Menschen mehr, die sind ja auch Teil der Natur. Die Erde ist rund, da muss Ausgleich her. Das ist ein physikalisches Gesetz. Die logische Konsequenz daraus abzuleiten ist aber politisch unnkorrekt und in Frieden leben wollen wir ja alle auch.
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