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«Intuitives Essen» – Ernähren nach Lust und Laune
Aus Puls vom 07.10.2019.
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Ernährung auf dem Prüfstand «Intuitiv essen» – Patentrezept mit Haken

Der neue Gegentrend zum Diätwahn: Auf den eigenen Hunger hören. Wie gut klappt das Essen ohne Regeln in der Praxis?

Das Ergebnis spricht für sich: Wer beim grössten Onlinehändler Bücher zum Begriff «Diät» sucht, erhält über 50'000 Resultate angezeigt. Von der «Schimpf-Diät» über «Gute Fette, böse Fette» bis hin zur «Paläo-Diät» ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Intuitives Essverhalten bedeutet, dass ich esse, wenn ich hungrig bin und aufhöre, wenn ich gesättigt bin.
Autor: Ulrike Ruzanska

Das Problem: Früher oder später verliert jedes dieser Konzepte im Alltag seinen Reiz. Wieso also nicht ganz auf ausgeklügelte Ernährungsregeln verzichten? Schliesslich hat die Menschheit in der Vergangenheit auch ohne überlebt.

Die neuste Antwort darauf: «intuitives Essen». Ernährungspsychologin Ulrike Ruzanska übersetzt: «Essen, wenn man hungrig ist und aufhören, wenn man satt ist.»

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«Intuitives Essverhalten bedeutet, dass ich esse, wenn ich hungrig bin und aufhöre, wenn ich gesättigt bin – und darauf achte, was sich gut anfühlt.»
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Ausserdem geht es darum zu merken, was dem Körper gut tut und was sich beim Essen gut anfühlt – unabhängig davon, ob ein Nahrungsmittel gerade als gesund gilt oder nicht.

Nach Lust und Laune essen, was und wann und so viel man will. Wie es sich mit dieser «Anti-Diät» lebt, wollen 18 Personen am eigenen Leib erfahren. Im Rahmen eines viermonatigen Experiments sollen sie alle Ernährungsregeln vergessen und einfach essen, was der Körper will.

Ganz intuitiv. Nicht um abzunehmen, sondern um glücklicher zu werden.

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Was Teilnehmende vom Experiment erwarten.
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Begleitet wird das Experiment von Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. Seine Botschaft: Ein gesunder Mensch soll sich von Ernährungsregeln nicht verrückt machen lassen.

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Uwe Knops Plädoyer gegen Ernährungsregeln
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In den ersten sechs Wochen geht es darum, sich von Ernährungsregeln zu befreien und zu essen, worauf man Lust hat.

Nebst dem gemeinsamen Austausch in einer geschlossenen Facebook-Gruppe helfen dabei Expertentipps zum Essverhalten und zum besseren Spüren von Hunger und Sättigung – für viele zu Beginn des Experiments eines der grössten Probleme.

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«Dass es zu viel war, habe ich erst gemerkt, als die zweiten Nudeln schon durch waren.»
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Wie funktioniert «intuitives Essen» im Alltag? Ein Ortstermin bei Teilnehmerin Stefanie, drei Wochen nach dem Start des Praxisversuchs.

Lange Zeit war sie auf der Suche nach der richtigen Ernährung. Fragte sich, wie sie gesünder, bewusster essen könne. «Da habe ich Sachen probiert wie ‹Detox ohne Zucker›. Das hat aber wenig Spass gemacht, und gerade bei Mahlzeiten ohne Zucker habe ich hinterher erst recht zu Schokolade gegriffen.»

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«Nach Mahlzeiten ohne Zucker habe ich jeweils alle Schokolade gegessen, die in Reichweite war.»
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Was hat Stefanie nun an ihrer Ernährung geändert? «Ich esse zu anderen Zeiten, achte bewusst auf mein Hungergefühl und höre früher wieder auf zu essen.»

Da sie beruflich viel unterwegs ist, hat sie immer etwas dabei, was ihr schmeckt. Wobei: Schnelle Mittagessen im Auto – das hat noch Verbesserungspotenzial.

Weitere drei Wochen später trifft sich die Gruppe zur ersten Zwischenbilanz. Wieder werden Fragebögen zum Essverhalten und zur Zufriedenheit ausgefüllt. Die Frage, die aber am meisten interessiert: Wie ist es bisher gelaufen?

Tenor: so so lala. Während bei den einen die Anfangseuphorie etwas abgeflaut ist, hat der Alltag bei anderen zu ersten Rückfällen in alte Ernährungsmuster geführt.

Veneta hingegen hat eine regelrechte Erleuchtung erlebt: «Früher habe ich Unmengen von Pouletbrustfilets gegessen, weil die so gesund und sättigend sein sollen.» Und sie dachte auch immer, dass ihr das schmeckt. «Nun habe ich plötzlich gemerkt: Das schmeckt mir überhaupt nicht!»

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So erlebten die Teilnehmenden die ersten drei Wochen ohne Ernährungsregeln
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Eine Sorge, die viele Teilnehmerinnen die letzten Wochen begleitet hat: Macht intuitives Essen dick?

Dem Ratschlag der Experten folgend war der Gang auf die Waage tabu. Nun zeigt sich: Alles im grünen Bereich. Hier ein Kilo mehr, da eines weniger, bei den meisten alles beim Alten.

Alle 18 wollen weitermachen. Jetzt ohne Coaching. Inzwischen wissen alle, worauf es ankommt und welches die grösste Herausforderung sein wird: nicht wieder in die alten Essgewohnheiten zurückzufallen.

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«Früher habe ich nach ‹der› Regel gesucht. Jetzt weiss ich, dass es sie nicht gibt.»
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Wieder drei Monate später dann das grosse Finale mit Ernährungswissenschaftler Uwe Knop und Psychologin Ulrike Ruzanska. Die Psychologin hat die Fragebögen ausgewertet, die von den Teilnehmenden während des Experiments ausgefüllt wurden.

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Das Essverhalten ist bei allen intuitiver geworden.
  • Die Wertschätzung des eigenen Körpers hat sich verbessert.
  • Die meisten fühlen sich besser als vor dem Experiment.

Beim Gewicht haben die meisten etwas zugelegt, wobei es keine Ausreisser nach oben gibt.

Danach befragt, wie sie sich im Vergleich zur Zeit vor dem Experiment fühlen, meinen die meisten: besser. Und sie wollen sich weiterhin intuitiv ernähren. Denn wer auf seinen Körper hört, brauche keine Ernährungsregeln.

Auf den Körper hören: Leichter gesagt als getan. Denn wie Ernährungsmedizinierin Bettina Isenschmid aus der täglichen Praxis weiss, sind Hunger und Sättigung für viele Menschen gar nicht so einfach an konkreten Symptomen festzumachen.

«Frage ich nach, was jemand unter Hunger versteht, kriege ich zum Beispiel ‹Magenknurren› zur Antwort, ‹ein Leeregefühl› oder ‹ein Schwächegefühl›.» Dies könne aber auch ganz andere Ursachen haben: Durst, Müdigkeit, Stress. «Die Unterscheidung dieser Grundgefühle zu erlernen, ist ein schönes Stück Arbeit. Das braucht Zeit und Geduld.»

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Studiogespräch mit Ernährungsmedizinierin Bettina Isenschmid.
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9 Kommentare

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  • Kommentar von Yvette Nick  (Lebenstreuhand)
    Ich esse schon mein ganzes Erwachsenenleben lang, worauf ich Lust habe und habe so auch meine Kinder gross gezogen. Ergebnis: niemand von uns hat Figur- oder Gesundheitsprobleme. Sind alle gesund und normalgewichtig.
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  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    So wie heute viele Leistungssportler nicht mehr fähig sind,
    ohne Elektronik Puls und sonstige Werte zu kontrollieren,die der Körper
    selbst misst und regelt,zu trainieren,verlieren grosse Teile der Menschen
    selbst grundlegende Fähigkeiten wie Hunger und Durst richtig zu
    interpretieren.
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  • Kommentar von Matthias Egger  (Mephci)
    Aus viel zu vielen Selbstverständlichkeiten wird ein riesen Thema gemacht. Eine kleine Prise gesunder Menschenverstand reicht aus völlig aus, dass man erkennt, dass die "Intuitive Ernährung" das natürlichste auf der Welt ist und eigentlich keine Energie und Gedanken bedarf. Der Körper reguliert und sendet klare Signale. Wer diese nicht mehr hört hat ein weitaus grösseres Problem, als dass man es auf die Ernährung reduzieren könnte!
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