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Schuld an der kurzen Lebensdauer von Produkten sind Konkurrenz- und Kostendruck
Aus Espresso vom 06.12.2019.
abspielen. Laufzeit 05:32 Minuten.
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Geplante Obsoleszenz Eingebautes Ablaufdatum bei Geräten: Was ist dran?

Ein Physiker kann belegen, dass manche Elektronik-Geräte quasi ein «eingebautes Ablaufdatum» haben.

Er hat schon tausende von kaputten Geräten seziert: Der Physiker Peter Jacob und sein Team analysieren an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf kaputte Ware und deren elektronische Komponenten, die ihnen vor allem Unternehmen aus der Schweiz und dem Ausland haben zukommen lassen. Es sind wiederum Geräte von deren Kunden.

Und nebenbei hat Jacob auch sein Augenmerk darauf gerichtet, ob das häufig portierte Gerücht wahr ist, dass die Hersteller ihre Ware so bauen, dass sie nach einer gewissen Zeit den Geist aufgibt – just nach Ablauf der Garantiefrist. Im Fachjargon spricht man von «geplanter Obsoleszenz».

Sein Fazit: Elektronische Geräte sind heute tatsächlich weniger langlebig als früher. Das liege aber weniger daran, dass die Hersteller bösartigerweise Fehler einbauen, schuld sei vielmehr ein immer grösserer Konkurrenz- und Kostendruck an der ganzen Lieferkette. Und oft seien die Preise so tief angesetzt, dass eine Reparatur aus wirtschaftlichen Gründen schlicht keinen Sinn mehr mache.

Mann zeigt Elektrobauteil
Legende: Dieser kleine Kondensator isch schuld daran, dass Lampen früher den Geist aufgeben. SRF

LED-Lampen und Smartphones: «Systematische Fehler»

Fakt ist aber, dass die Geräte aus diesem Grund auch fehleranfälliger gebaut werden. Beispiel: LED-Lampen. Von den Herstellern als langlebig angepriesen, geben gewisse LED-Birnen oft nach verhältnismässig kurzer Zeit den Geist auf. «Nicht selten schon nach einem Zehntel der angegeben Lebensdauer – und mit einem Knall», sagt der Fehlerforscher dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».

Jacob ging dem auf den Grund und fand heraus, dass Teile der Elektronik, Elektrolyt-Kondensatoren, unterdessen schlicht zu klein sind, um hohe elektrische Spannung dauerhaft auszuhalten. Die Teile müssten grösser sein, aber dafür sind die gängigen Lampenfassungen wiederum zu klein. Die Hersteller dieser Kondensatoren mussten aber passende Komponenten liefern, um nicht möglicherweise einen millionenschweren Auftrag zu verlieren. «Und dabei werden oft auch die Grenzen des physikalisch Machbaren ausgereizt.»

Konsumentenschützer machen Druck via Politik

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Kurzlebige und systematisch fehlerhaft gebaute Produkte – das kann nicht so weitergehen, sagen Konsumentenschützer. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) will dagegen politischen Druck auf die Hersteller aufbauen. Die SKS hat mehrere Vorstösse angezettelt, die zum Beispiel mehr Transparenz fordern. Die Hersteller sollen dazu verpflichtet werden, die Lebensdauer des Geräts zu deklarieren und auf die Verpackung zu schreiben, wie reparaturfreundlich das Produkt ist. Damit könne der Kunde die Produkte besser vergleichen, schreibt die SKS.

Ferner soll eine Motion bewirken, dass die Garantiefrist in der Schweiz generell verlängert wird. In der Schweiz liegt diese derzeit bei zwei Jahren. In vielen EU-Ländern gibt es bis zu sechs Jahren Garantie auf Gebrauchsgüter.

Ein ähnliches Problem sieht Jacob beispielsweise auch bei den Smartphones und deren Ladesteckern – auch dort sei die Elektronik störungsanfällig geworden, weil die Geräte immer schlanker werden und gleichzeitig immer mehr leisten. Das könne im schlimmsten Fall zu Kurzschlüssen und Bränden führen.

Oder das Problem mit der Software: Die Hersteller machen immer wieder neue Updates bis die Hardware zu langsam wird und der Kunde ein neues Gerät kaufen muss. Den beiden Giganten Apple und Samsung wurde das auch schon nachgewiesen. Sie kassierten deswegen eine Millionenbusse.

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Anita Mannhart  (lupus)
    @ Arno Zing Es ist vergleichbar mit Religion. Drohung mit Hölle, Verlust des Paradieses. Im Bereich von digitalem Plunder macht man uns mit allerlei Höllengeschichten Angst. Damit lässt sich seit Menschengedenken gutes Geld machen. Ich brauche lieber meinen Verstand. Herr Arno Zing, wenn sie sagen: Viren müssen nicht zwingend auf Ihrem Computer einen direkten Schaden anrichten, sondern können diesen einfach nutzen um sich unerkannt über Ihren .., dann zähle ich sie zu den besonders Gläubigen.
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Zu den LED Lampen ist zu sagen, dass diese bis vor ein paar Jahren noch ein richtiges "Netzgerät" besassen. Das wird heute eingespart und unterdimensionierte Elkos eingebaut, wie im Artikel steht. Es ist zwar schon so, dass in den letzten Jahrzenten die Baugrössen der Elkos bei gleicher Leistung immer weiter abgenommen haben, aber da die Technologie immer noch diesselbe ist, gibt es halt irgendwo eine Grenze. Zusätzlich werden gerade diese Bauteile beim Betrieb durch die Leds stark erwärmt.
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  • Kommentar von Anita Mannhart  (lupus)
    @Dominik Nussbaum: s. Sie schreiben:In der Informatikwelt gilt das Abstellen von Updates als Todsünde, weil damit Sicherheitslücken, die immer wieder auftauchen, nicht mehr geschlossen werden. Lassen sie mich einfach tod sündigen. Seit mehr als einem Jahr, kein Virus nichts. Es braucht das ganze gar nicht. Aber Windows kontrolliert uns halt gerne. Wie schlecht muss ein System sein, das fast tägl updaten muss. Es geht dabei nicht um Sicherheitsupdates, sondern nur um andern Plunder.
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    1. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Dazu kann man noch sagen, dass kurz vor dem Ablauf des Supports für Windows 7 MS dem User seit ein paar Monaten ganz dreist ihre sogenannten "Telemetrie" Programme, versteckt in den "Security only" Patches untergejubelt wurden, so nach dem Motto: Auch wenn das System nicht mehr unterstützt wird, muss es doch zumindest unsere W 10 Spionageprogramme haben. Wo kommen wir denn sonst hin!
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    2. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Liebe Frau Mannhart, einfach zu Ihrer Information: Es kann durchaus sein, dass Sie in dem Jahr einen oder mehrere Viren eingefangen haben - dies aber einfach gar nicht gemerkt haben (weil Sie ja keine Updates gemacht haben, welche solche Viren erkannt hätte). Viren müssen nicht zwingend auf Ihrem Computer einen direkten Schaden anrichten, sondern können diesen einfach nutzen, um sich unerkannt über Ihren Computer zu verbreiten - um dann in einem Jahr oder so aktiviert zu werden.
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    3. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      @Zingg Also, wie ich es verstehe, fängt ein Patch keine Viren, sondern stopft sicherheitsrelevante Lücken im System. Deshalb ist meiner Meinung ein stets aktueller Virenscanner am wichtigsten. Und eine gewisse Vorsicht, manche Browser warnen selbst vor faulen Webseiten, und mein Antivirenprogramm hat mir schon einige Male einen Angriff geblockt. Und am wichtigsten, jede downgeloadete Datei vor dem Öffnen scannen lassen. (Im Downloadbereich des Browsers Ordner öffnen und per Rechtsklick scannen)
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