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Jugendbarometer 2020 Politologin: «Jugend will stabile Lösungen für Probleme»

Die Jungen blicken weniger optimistisch in die Zukunft, sind jedoch politisch engagierter und haben trotz beträchtlicher Sorgen beständiges Vertrauen ins herrschende System. Das sagt die Politologin Cloé Jans zum neusten CS Jugendbarometer, der jeweils in der Schweiz, den USA, Singapur und Brasilien erhoben wird.

Cloé Jans

Cloé Jans

Politologin

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Cloé Jans , Link öffnet in einem neuen Fensterist Politologin beim Forschungsinstitut gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster. Sie ist unter anderem auf Jugendbewegungen spezialisiert.

SRF News: Die Altersvorsorge bereitet den jugendlichen Schweizerinnen und Schweizern weiterhin am meisten Sorge. Was könnte der Grund dafür sein?

Cloe Jans: Die Altersvorsorge ist ein hoch politisiertes Thema in der Schweiz, wo man seit Jahren an einer Lösung herumbastelt, ohne wirklich ans Ziel zu kommen. Das verunsichert gerade die Jugend, die als zukünftige Generation unmittelbar betroffen ist. Nur gerade 27 Prozent der 16-bis 25-Jährigen sind zuversichtlich, im Alter komfortabel leben zu können. Der Problemdruck in diesem Bereich hat sich durch die Corona-Pandemie zudem noch zusätzlich erhöht.

Video
Aus dem Archiv: Grösste Sorge der Schweizer ist die AHV.
Aus Tagesschau vom 05.12.2019.
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Auch generell macht die Coronakrise den jungen Menschen zu schaffen. Macht sie das Bedürfnis nach Reformen dringlicher?

Die aktuelle Krise hat die Reform der AHV in den Augen der Jugend noch dringender gemacht. Obwohl die Jugend der Meinung ist, die Pandemie würde gerade für sie langfristige finanzielle Schäden hinterlassen, steht die Generation grundsätzlich hinter der Institution der AHV und will an der Finanzierung der Rentner durch Erwerbstätige nicht rütteln.

Laut der Studie ist politisches Engagement bei jungen Menschen wieder hoch im Kurs. Man muss Meinungen haben, und sie auch vertreten. Was sind denn die wichtigsten Themen, über die sich die Jugend Gedanken macht?

Themen wie Gleichstellung, Umweltschutz oder Rassismus waren in der Wertelandschaft der Jugend auch in den vergangenen Jahren präsent und prägend. Die aktuellen Ereignisse rund um Proteste auf den Strassen und Jugendbewegungen wirken jedoch aktivierend und festigen Überzeugungen, die vorher vielleicht eher latent vorhanden waren.

Heute fühlen sich rund doppelt so viele der Klimabewegung zugehörig wie einer Religionsgemeinschaft.

Der Anteil Junger, die Themen wie Gleichstellung oder Umweltfragen wichtig findet und sich auch aktiv für diese Anliegen einsetzt, nimmt insbesondere in den letzten vier bis fünf Jahren deutlich zu. Heute fühlen sich in der Schweiz rund doppelt so viele Jugendliche der Klimabewegung zugehörig wie einer Religionsgemeinschaft. Diese politischen Bewegungen sind somit nicht nur Ausdruck einer Problemwahrnehmung, sondern haben auch ein identitätsstiftendes Element.

Während der Pandemie regierte der Bundesrat weitgehend im Alleingang. Lassen sich aus der Studie Schlüsse ziehen, wie die Jugend zum Umgang mit der Coronakrise steht?

Obwohl die Jugend nicht scheu ist, Kritik an der Politik anzubringen, wenn sie das für notwendig hält, ist sie im Grossen und Ganzen sehr systemkonform und solidarisch. Man will eine politisch stabile Zukunft bauen und dazu gehört auch, dass man die Massnahmen der Regierung in der Krise mitträgt.

Eine deutliche Mehrheit ist der Meinung, dass es in der Krise starke Führungspersönlichkeiten braucht.

Insgesamt wurde die Gangart von Bund und Behörden während der Krise für gut und ausgeglichen befunden. Sogar mit den zuweilen drastischen Einschränkungen während des Lockdowns ist man einverstanden. Eine deutliche Mehrheit der Jungen in allen befragten Ländern ist der Meinung, dass es in der Krise starke Führungspersönlichkeiten braucht, die beschlossene Massnahmen notfalls auch gegen Widerstand durchsetzen.

Jugendbarometer 2020

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Die Studie wird mittels Onlinebefragungen von der Gesellschaft für Sozialforschung bei Jugendlichen zwischen 16 und 25 erhoben. Die Auswertung umfasst jeweils rund 1000 befragte Einwohner in den Ländern Schweiz, USA, Brasilien und Singapur.

Das Gespräch führte Tara Semple.

SRF 4 News vom 14.09.2020, 10 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Schmid  (W. Schmid)
    Die Jugend will, ich will auch, dass die Jugend zuerst einmal arbeitet und etwas für den Staat macht. Kennedy „frage nicht was der Staat für mich tut, sondern was kann ich für mein Land tun“. Ein Demokrat bei uns SP.
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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Wenn die Jugend stabile Lösungen will muss Sie wählen gehen sobald Sie kann und dies ohne Ausnahme. Ohne mich jetzt auf ein Podest hiefen zu wollen, ich wähle immer auch wenn mein Interesse nicht immer gleich hoch ist. Wählen zu könne ist ein Privileg das verpflichtet deren Erhalt zu pflegen und darf keine Interessensfrage sein.
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    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Ich wurde wurde vor 21 Jahren, mit 18 Jahren, selbst wahlberechtigt und überlegte nicht lange und stimmte zum ersten Mal und später ohne Unterbruch ab. Ohne lernen besteht man ja auch keine Prüfung, egal ob das Interesse für das Thema gross ist oder nicht. Also sollte es auch wichtig sein zu wählen wenn Abstimmungen stattfinden!
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Was ist Ihre grösste Sorge im 2020?" Ja, da habe ich "Ein anderes Thema" angeklickt. Bin 66. Eigentlich interessant ist, dass die Sorge wegen der 1. (AHV) und 2. Säule (BVG) schon in meiner Jugend ein Thema war. Seit Corona wird aus meiner Sicht bestätigt, dass dem nicht so ist. Unser Land hat immense Geld-Reserven und die Vorsorge-Werke würden zuletzt fallen gelassen. Meine grösste Sorge ist die weltweite Instabilität. Niemand weiss, ob es Europa (inkl Schweiz) in 10, 20 Jahren noch so gibt??
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