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Legende: Video Am Berg wird es eng: Umstrittener Boom von E-Mountainbikes abspielen. Laufzeit 08:00 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.
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Umstrittener Boom im Gebirge Wanderer und E-Mountainbiker kommen sich in die Quere

Bergregionen freuen sich über kaufkräftige Gäste mit Elektrovelos. Wanderer freuen sich weniger. Neue Wege sind gefragt.

Die Schweiz ist ein Veloland – und immer mehr auch ein E-Mountainbike-Land. Der Verkauf von bergtauglichen Fahrrädern mit Elektromotor floriert.

Freizeitsportler schwärmen, sie kämen damit viel einfacher auf die Berge und könnten dank elektronischer Unterstützung viel grössere Touren unternehmen. «Wer einmal ein E-Mountainbike hat, fährt immer damit», so eine Touristin im Engadin in der ECO-Umfrage.

Das freut die Tourismusverantwortlichen in den Bergregionen. Allen voran im Kanton Graubünden. 40 Prozent aller Mountainbike-Touristen machen in diesem Kanton Ferien, besagen Zahlen von Schweiz Tourismus. Mit dem Boom der E-Mountainbikes könnten es noch mehr werden.

Verkaufszahlen E-Mountainbikes

Kein Segment wächst so schnell wie die E-Mountainbikes. Im letzten Jahr wurden in der Schweiz 50% mehr bergtaugliche Velos mit Elektromotor verkauft, insgesamt gut 43'000, so die Statistik , Link öffnet in einem neuen Fenstervon Velo Suisse, dem Verband Schweizer Veloimporteure. 2018 wurden demnach so viele E-Bikes verkauft, wie noch nie. Der Absatz herkömmlicher Fahrräder dagegen habe nachgegeben.

E-Biker bringen Wertschöpfung ins Tal

E-Mountainbiker sind kaufkräftig. Ein geländetaugliches E-Bike kostet schnell einmal 4'500 Franken. Es gibt auch Velos für über 10'000 Franken, wie eine Touristin gegenüber ECO verrät. «Andere rauchen und trinken oder machen sonst Sachen. Das mach ich alles nicht.»

Legende: Video Ursulina Cajos über ihr teures E-Bike: «Andere rauchen und trinken.» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.

Die Kaufkraft ist auch den Tourismuspromotoren nicht entgangen. «Es ist eine wirtschaftlich interessante Gästegruppe, die Wertschöpfung bringt, also mehr Geld im Engadin lässt», sagt Gerhard Walter, Geschäftsführer von Engadin St. Moritz Tourismus

Auch Hoteliers wie Kurt Baumgartner, Inhaber der Belvédère Hotels in Scuol im Unterengadin, setzen darauf: «Die Zahl der E-Biker hat sich in den letzten zwei Jahren jeweils verdoppelt – boomartig.» Für die Schweizer Berghotellerie komme der Boom gelegen, denn sie kämpfte jahrelang mit Rückgängen. Seit 2008 verzeichnet sie ein Minus bei den Gästen von über 9 Prozent, so Zahlen von Schweiz Tourismus und Bundesamt für Statistik.

«Da sind die E-Biker ein willkommenes Gästesegment, das geholfen hat, die Auslastung im Sommer zu halten und so wie es aussieht, sogar leicht zu steigern.»

Legende: Video Hotelier Kurt Baumgartner über die Bedeutung von E-Mountainbiker für die Berghotellerie abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.

Wanderern bleibt die Flucht in den Graben

Nicht alle freuen sich über den Boom der E-Mountainbikes. Die Wanderer – noch immer die grösste Gästegruppe im Engadin – stören sich vor allem an der Rücksichtlosigkeit gewisser E-Biker.

«Das Problem sind sportive Gruppen, die einfach durchbolzen – als Fussgänger musste man einfach irgendwo in den Graben springen.» Wanderer haben auf Wanderwegen definitionsgemäss immer Vortritt. Gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz sind gefragt.

Bike-Police sorgt für Ordnung

E-Biker rufen auch die Polizei auf den Plan. Sie patrouilliert mit einer Bike Police an stark befahrenen Orten im Oberengadin und sensibilisiert Biker und Wanderer für die Problematik.

Legende: Video Die Bike Police im Engadin will Wanderer und Biker sensibilisieren. abspielen. Laufzeit 00:35 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.

«Wir erleben vor allem, wie sich E-Biker rücksichtslos verhalten», sagt Stefan Knutti, Chef Aus- und Weiterbildung der Gemeindepolizei St. Moritz.

Gefährlich könne es vor allem werden, wenn Velofahrer an unübersichtlichen Stellen mit übersetzter Geschwindigkeit auf Familien träfen. «Darum ist es unsere Aufgabe, präventiv zu wirken, mit sichtbarer Polizeipräsenz.»

Neue Wege für Biker

Es braucht nicht nur Prävention, sondern auch neue Velowege. Darco Cazin baut solche. Der Bündner Ökonom berät Tourismusdestinationen bei ihrer Bikestrategie. Dazu gehört oft, dass Wander- und Bikewege entflechtet werden. Mit dem Bau von neuen Biketrails werden die unterschiedlichen Gästegruppen voneinander getrennt.

Legende: Video Darco Cazin trennt Wanderer und Biker mit dem Bau von neuen Biketrails abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.

«Unser Hintergrund ist immer ein wirtschaftlicher. Wir wollen mehr Wertschöpfung für die Alpenregionen generieren», so Darco Cazin. Er baut mit seinem 35-köpfigen Team neue Wege im Kanton Graubünden aber auch in Tirol, Südtirol und sogar in Japan.

Mehr oder weniger Swissness

Der E-Mountainbike-Boom beflügelt auch das Geschäft der Bike-Hersteller. Einer der grössten in der Schweiz ist Scott Sports. Das Unternehmen macht einen Viertel seines 700 Millionen Franken-Umsatzes inzwischen mit Bergvelos mit Elektroantrieb. Das Geschäft wachse schnell.

Sind E-Mountainbikes nur etwas für Weicheier? Scott-Chef Beat Zaugg sagt dazu, das könnten nur Menschen sagen, die nie auf einem solchen Velo sassen, denn «man muss genau gleich »tschalppen«, ist aber weniger im roten Bereich und hat dadurch sicher einen besseren Trainingseffekt.»

Legende: Video Scott-Chef Beat Zaugg: «Man muss genau gleich tschalppen.» abspielen. Laufzeit 00:12 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.

Hergestellt werden die Bike-Komponenten vorwiegend in Asien, zusammengesetzt in Holland. Auf mehr Swissness setzt Flyer. Das Unternehmen ist zwar seit zwei Jahren in deutschem Besitz, trotzdem werden die E-Bikes in Huttwil montiert.

Legende: Video Mehr oder weniger Swissness: Hersteller wie Scott und Flyer profitieren vom E-Boom abspielen. Laufzeit 07:18 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.

Der Boom der E-Mountainbikes: Neue Erträge für Bergregionen und Hersteller, aber auch Stress am Berg. Eine Gratwanderung.

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97 Kommentare

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  • Kommentar von Erich kohli  (IWO)
    Die Berge als Sport-Kulisse. Blumen, Tiere und Landschaft werden durch die Biker überhaupt nicht gesehen. Schade! Möglichst schnell hoch, möglichst schnell runter. Wems Freude macht!? Das immer schneller ist letztlich sinnleer. Zu Hause geht man dann dafür in einen Achtsamkeitskurs. - Separate Wege sind eine gute Lösung. Andererseits werden dann die Störungen auf grösserer Fläche verteilt. Zudem: wie reisen die Leute an? Mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Auto (SUV natürlich). Seufz!
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    1. Antwort von M. Christen  (Wanderer+Biker)
      Ihr Kommentar ist vollgespickt mit Vorurteilen. Sie wissen weder, was in den Köpfen der Biker vor sich geht, noch mit welchem Auto sie anreisen. Zudem reisen auch die Wanderer in Massen mit ihren Autos in die Berge an. Viele fahren dann mit dem "Bähnli" hoch...soll ich jetzt sagen, dass sie zu faul sind, um zu laufen? Das hat sich halt so eingebürgert, das es Seilbahnen gibt, um es uns "einfacher" zu machen. Das Ganze ist etwas komplizierter als einfach auf die Biker zu schiessen.
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    2. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Es gibt nunmal auch Bikes und Pisten die im Verbund mit der Seilbahn genutzt werden (Downhill Bikes). Als nicht kenner mag einem dies „stupid“ vorkommen. Skifahrer tun aber dasselbe obwohl 4kg Ski einfachr zu Fuss auf den Berg befördert werden könnten als 16kg Velo. Dann gibt es nich die Wanderer die mit der Bahn hochfahren, ihr Bier oder halben Rotwein trinken und wieder mit der Bahn runtergondeln. Jedem das seine und sich mit Respekt und Freude begegnen, so gehts.
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    3. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Herr Kohli, das mag sie vielleicht enttäuschen: Ich reise oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln an und unterbreche meine Bikefahrten häufig um Blumen, Landschaften und Tiere zu sehen und zu fotografieren. Ausserdem meide ich in der Regel Wege im Bereich der Bergbahnen, weil dort viele Wanderer unterwegs sind. Bin beispielsweise schon zweimal über den Suvrattapass gefahren, ohne einen einzigen Wanderer anzutreffen. Ich gehe in die Berge, weil ich die Berge liebe. Kein schnelles Rauf und Runter.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Herr Walter Gut, und ob ich "mitreden" kann, fahre seit 40Jahren Mountenbike (ohne Motörli) und seit 10Jahren E-Bike Fagrer (aber nicht auf Berg Wanderwegen!) War bei den Militärtradfahrer in der RS + 8WK, sonst noch Fragen?
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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Was ich noch fragen wollte: Was machen Wanderer wenn sie sich auf schmalen Wegen begegnen? Macht man sich dann nicht auch Platz, bzw. der eine oder andere muss zwangläufig ebenfalls beiseite treten. Es gibt Wanderwege die besonders während den Sommerferien auch von Wanderern stark frequentiert werden. Und noch was: Ich bin schon auf einem 3 m breiten Waldweg von einem Fussgänger angeschrien worden, obwohl wir uns überhaupt nicht in die Quere gekommen sind.
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    1. Antwort von Gustav Dietrich  (Züribieter)
      Der BFU-Bikekodex sagt es eigentlich klar: "Gewähre Wandernden den Vortritt". Aber eben, es WÄRE klar, aber leider kümmert sich nicht jeder darum. Aufklärung diesbezüglich wäre auch wieder Aufgabe der Tourismusorganisationen.
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