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Michel Birri ersetzt seine Plastikpflanzen mit Wildblumen
Aus Mission B vom 22.03.2020.
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Birris biodiverser Balkon Michel Birri ersetzt seine Plastikpflanzen mit Wildblumen

Michel Birris Balkon in drei Worten: öd, grau und fake. Sein Ziel: Mehr Farbe und mehr Leben. Zur Seite steht ihm die Umweltberaterin Isabelle Blum. Gemeinsam gestalten sie seinen Balkon naturnah. Die ganze Umgestaltung seht ihr im Video, im Text findet ihr weitere Tipps für den eigenen Balkon.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Auf dem Balkon von SRF-Moderator Michel Birri sieht es noch etwas trostlos aus. Eine Magnolie, vor wenigen Jahren als Geburtstagsgeschenk erhalten, steht als einziges Lebewesen in der Ecke. Für Farbkleckse sorgen grüne Kissen und zwei Plastikpflanzen, die jedoch gleich in die Tonne wandern. Sie mögen frost- und dürreresistent sein, nützen Schmetterlingen und Wildbienen jedoch herzlich wenig auf deren Nahrungssuche.

Sitzecke mit Fake-Pflanze
Legende: Auf Michel Birris Balkon gab es bis jetzt nur Fake-Pflanzen anzutreffen. SRF

Bevor aus Kunststoffgraus ein Augenschmaus wird, bedarf es etwas Vorarbeit. Der Moderator braucht Töpfe, passende Erde für seine Pflanzen, Granulat, um den Wasserhaushalt in den Töpfen zu regulieren und schliesslich auch die passenden Pflanzen für seinen Standort und Michels Bedürfnisse. Welche Pflanzen sich für den halbschattigen Balkon eignen, weiss Umweltberaterin Isabelle Blum. Sie hat es sich zum Beruf gemacht, Aussenräume wie Balkone naturnah zu gestalten: «Wichtig ist zu wissen, wie die Lichtverhältnisse auf dem Balkon sind. Ist der Balkon an einer sonnigen Lage? An einer schattigen? An einer halbschattigen? Sind bestimmte Farben erwünscht? Soll ein bestimmtes Tier angelockt werden?».

Man muss kein Garten-Profi sein, um seinen Balkon biodivers zu gestalten. Es reicht aus, sich im Vorfeld gewisse Balkonmerkmale zu notieren und sich dann von Fachkundigen in den Gärtnereien beraten zu lassen. In der aktuellen Situation, in der wir alle zurückgezogen leben, kann man auch gratis und von zuhause, eine Empfehlung für passende einheimische Pflanzen via Floretia, Link öffnet in einem neuen Fenster einholen.

Checkliste der wichtigsten Fragen zu Beginn:

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  • Wie sehen die Lichtverhältnisse auf meinem Balkon aus? Beachtet man, zu welcher Tageszeit Sonne auf den Balkon fällt oder wie dieser ausgerichtet ist, können gezielt schatten- oder sonnenliebende Pflanzen ausgesucht werden, die sich in einer solchen Umgebung wohl fühlen und gedeihen können.
  • Welcher Pflegetyp bin ich? Alles was lebt, muss auch gepflegt werden. Wer oft in die Ferien geht, am Wochenende verreist oder am Abend mal das Giessen vergisst, nimmt lieber pflegeleichte Pflanzen. Zudem sollte man Punkto Pflege auch ans nächste Jahr denken: Einjährige Pflanzen, die anfangs Saison ausgerissen werden müssen, sind weder nachhaltig noch wirklich pflegeleicht. Besser sind mehrjährige Stauden oder solche, die sich selbstständig versamen.
  • Wie sieht es mit der Bewässerung aus? Auf sonnigen und daher eher warmen Balkonen sind Pflanzen durstiger, als auf schattigen Balkonen. Zudem sind manche Pflanzen sensibel, stehts die richtige Menge Wasser zu erhalten. Daher lohnt es sich, sich über Bewässerungsmöglichkeiten zu informieren.
  • Was sind meine Bedürfnisse? Der Balkon hat für jede Person eine andere Bedeutung. Was für den einen Entspannungsort und Wohlfühloase ist, ist für den anderen eine Möglichkeit, seine Zutaten für den Super-Smoothie selbst anzubauen. Für die Biodiversität ist es von Vorteil, wenn immer etwas Einheimisches blüht. Es gibt eine Fülle an Farben, Formen, Blühzeiten und Nutzen, aus denen man aussuchen kann.
  • Welche Tiere möchte ich besonders fördern? Wer mag, kann ein bestimmtes Tier fördern. Wer beispielsweise das Pfauenauge bestaunen möchte, erkundigt sich momentan online oder direkt beim Gärtner, welches geeignete Nektarspender und passende Raupenfutterpflanzen sind. Hat man in seiner Umgebung bereits eine bestimmte Art gesichtet, ist es eine Überlegung wert, genau diese Art zu fördern. Online können via Info Fauna, Link öffnet in einem neuen Fenster Sichtungen von Tieren eingesehen werden. Wer spezifisch Wildbienen unterstützen möchte, findet bei Future , Link öffnet in einem neuen FensterPlanter, Link öffnet in einem neuen Fenster massgeschneiderte Informationen.
  • Sind Kinder im Haus? Manche einheimischen Pflanzen sind giftig. Die Anzahl Pflanzen auf einem Balkon sind oft überschaubar, weshalb es auch nicht schwierig ist, sich die ungeniessbaren Pflanzen zu merken. Wer aber Kinder oder Haustiere im Haus hat, sollte vielleicht ganz auf giftige Pflanzen verzichten.
  • Sind andere Strukturen erwünscht? Nebst Pflanzen können auch Nistmöglichkeiten oder Wasserstellen auf einem Balkon Platz finden. Denkt daran, permanente Strukturen, sollten zuerst mit dem Vermieter besprochen werden.
  • Darf es auch was Unkonventionelles sein? Balkone lassen sich auf verschiedene Arten begrünen: Mit Stäben, einem Gestell oder einer Wandeinrichtung können Pflanzen in der Vertikalen wachsen. Nach Absprache mit den Vermietern und Nachbarn kann eine Kletterpflanze als Fassadenbegrünung grosse graue Flächen abdecken. Hierfür sind allerdings Gutachten des Profis empfehlenswert.
  • Was ist mir besonders wichtig? Manchmal ist es nicht möglich, alle Wünsche und Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Priorisiert also eure Antworten. Und wem das alles viel zu weit führt, kein Problem! Es kann durchaus von Vorteil sein, wenn man nicht mit einer zu konkreten Idee an die neue Balkongebrünung herangeht.

Für Michel Birri ist klar: «Hauptsache farbig! Denn jetzt ist mein Balkon grau. Schmetterlinge und Bienen fände ich schön.» Da der Moderator gerne kocht, möchte er auch Essbares anpflanzen. Wegen seinen unregelmässigen Arbeitszeiten braucht er Pflanzen, die ihm den einen oder anderen trockenen Tag verzeihen. Um all diese Bedürfnisse abzudecken, stellt Isabelle Blum Michel Birri einen ganzen Pflanzenkatalog mit Grösse, Blütezeit, Nährstoff- und Standortbedingungen zusammen.

Nachhaltigkeit fängt beim Einkauf an

Michel Birri suchte sich für seinen Balkon Secondhand-Töpfe aus einem Brockenhaus. Solche Töpfe sparen nicht nur Ressourcen, sondern auch Geld: Ein typisches Balkonkistchen aus Eternit mit Massen von 79 Zentimeter mal 17 Zentimeter kostet gut und gerne bis zu 35 Franken. Der Moderator zahlte für drei Kisten der gleichen Grösse einen Bruchteil des Neupreises. Da man momentan nicht in Brockenhäuser gehen darf, bieten sich alternativ online Plattformen wie Facebook Marketplace, Ricardo und co. an. Sobald sich die Situation beruhigt hat und Normalität ins Leben zurückkehrt, sind unter diesem Link einige Brockenhäuser nach Kanton, Link öffnet in einem neuen Fenster aufgeführt.

Auch beim Kauf der Pflanzen, kann auf die Nachhaltigkeit geachtet werden. Bioterra angeschlossene Biogärtnereie, Link öffnet in einem neuen Fenstern, Link öffnet in einem neuen Fenster achten beispielsweise auf eine umweltfreundliche und nachhaltige Produktion der Pflanzen. Solche Gärtnereien verkaufen zwar nicht ausschliesslich einheimische Pflanzen, doch sie führen oftmals ein grosses Sortiment dieser.

Michel Birri und Isabelle Blum besuchen die als Biogärtnerei zertifizierte Erlebnisgärtnerei , Link öffnet in einem neuen FensterDietwyler, Link öffnet in einem neuen Fenster. Im Schaugarten werden Kurse, Führungen und gegen 3'000 Arten und Sorten Pflanzen angeboten.

Wer den Weg hierher findet, dem wird schnell klar, welche Wirkung ein Naturgarten auf die Psyche haben kann. Besonders in unsicheren Zeiten wie jetzt rund um den Corona-Virus und seine möglichen Folgen ist es wichtig, einen Ort für den Ausgleich zu finden und ihn allenfalls gleich selbst anzupflanzen. Nach aktuellem Stand müssen die Gärtnereien zwar geschlossen bleiben, deren Pflanzen dürfen jedoch über Online-Shops, via E-Mail oder durch Selbstabholung gekauft werden, solange die vom Bund erlassenen Regeln eingehalten werden. Jede Gärtnerei handhabt die Situation etwas anders. Erkundigt euch am besten direkt bei eurer regionalen Gärtnerei. Wer sich für ProSpecieRara Sorten interessiert, findet auf der Website , Link öffnet in einem neuen Fenster eine Liste mit Anbieter*innen, die ProSpecieRara-Setzlinge online verkaufen. Die Liste gibt auch Auskunft darüber, welche Produzenten Versand, Selbstbedienung oder Lieferung anbieten.

Checkliste Einkauf:

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  • Töpfe mit Untersetzer und Balkonkisten mit Halterung: Terrakotta Töpfe und Eternit Kisten sind eine beliebte Wahl für den Balkon. Diese Materialien helfen Staunässe zu vermeiden. Wer lieber nicht jeden Morgen und Abend giesst, sucht sich besser grosse Töpfe. Die Erde trocknet bei grossen Kisten wegen dem Verhältnis zwischen Oberfläche und Volumen weniger aus. Grosse Töpfe sind allerdings schwerer, was besonders in Altbauten in Betracht gezogen werden sollte. Dunkle Balkonkisten und auch Metallkisten wärmen sich schneller auf als helle Kisten, und verdunsten daher mehr Wasser.
  • Geeignete Erdmischung ohne Torf und Mineralsubstrat: Die Blumenerde ist für die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Pflanzen verantwortlich. Es lohnt sich daher, bei der Erde nicht zu sparen. Da ein Boden aus organischen und mineralischen Anteilen besteht, braucht es auch beide Anteile in der Balkonkiste. Der organische Anteil – die Blumenerde – weist oft spezifische Merkmale wie pH-Wert oder Düngungsgrad auf. Die meisten Pflanzen bevorzugen einen neutralen bis schwach säuerlichen Boden (pH-Wert zwischen 7 und 8) und brauchen eine mässig gedüngte Erde (Stickstoffgehalt muss nicht über 10 liegen). Wichtig: Die Blumenerde soll unbedingt keinen Torf enthalten, da beim Torfabbau wichtige und seltene Lebensräume zerstört werden. Der mineralische Teil – das Mineralsubstrat – gibt es in verschiedenen Ausführungen. Das Fachpersonal in der Gärtnerei wird für die spezifischen Ansprüche der gewählten Pflanzen Auskunft geben können.

«Dräckle» mit Fingerspitzengefühl

Da Michel Birri in seinem Leben noch nie selbst etwas angepflanzt hat, zeigt ihm Isabelle Blum, wie es geht.

Der letzte und wichtigste Punkt ist, dass man seinen Balkon geniesst. Draussen sitzen, Schmetterlinge beobachten und dabei ein Müesli mit eigenen Himbeeren und Johannisbeeren essen, darauf freut sich Michel Birri schon jetzt. «Spätestens, wenn die Pflanzen wachsen und Früchte tragen, kann ich sie hoffentlich voneinander unterscheiden», lacht der Moderator.

Wie geht es weiter?

Michel Birri ist ganz begeistert von seinem neuen Balkon. Er meint aber zu wissen: «Der grosse Teil der Arbeit fängt erst jetzt mit der Pflege an.» Isabelle Blum winkt ab und verrät, wie einfach eine gute Pflege aussieht:

  • Pflanzen brauchen Wasser. Je sonniger ein Balkon, desto öfter muss man giessen. Wer den richtigen Moment zum Giessen erwischen will, der steckt einen Finger in die Erde. Ist der Finger beim Herausziehen komplett trocken, sollte unbedingt gegossen werden.
  • Nach dem Sommer, wenn alles verblüht ist, wird auf einem naturnahen Balkon alles stehengelassen. Insekten überwintern in den trockenen Pflanzenresten oder legen ihre Eier ab. Im Früling, können die verdorrten Pflanzenteile entfernt werden.

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