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Im Gemüse «In der Schweiz gibt es leider keine Pflück-Roboter»

Mona Vetsch «chrampft» drei Tage als Ernthelferin bei einem der grössten Gemüsebauern der Schweiz. Die Traktoren sind Satelliten gesteuert, das Wasser auf den Tropfen genau dosiert. Und zu Monas grosser Verwunderung ist hier trotzdem das meiste immer noch Handarbeit.

Mona Vetsch.
Legende: Für drei Tage im Gemüse: Mona Vetsch. SRF

Treffpunkt: 5:30 Uhr vor dem SRF, in der Box findest Du ein paar Fussballstulpen. Wie war Deine Stimmung?

Das Wort Morgengrauen bekam eine ganz neue Bedeutung. Ich hatte Panik, dass ich die nächsten drei Tage auf dem Fussballplatz stehe. Im Tschutten bin ich gelinde gesagt eine Pflaume. Als ich dann beim Grossgmüesler ankam, war ich echt erleichtert. Lieber aufs Feld als auf den Rasen!

Du bist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Waren die drei Tage für Dich ein Déjà-vu?

Gar nicht. Mit der Landwirtschaft, die ich aus meiner Kindheit kenne, hat das sehr begrenzt zu tun. Die Dimensionen sind gigantisch, die Abläufe industrialisiert und auf Effizienz getrimmt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das ist sehr spannend, aber manchmal auch absurd.

Wann zum Beispiel?

Ein Moment ist mir besonders geblieben: Als mir Chef Beat Bösiger eine Schnellbleiche in der Gurkenernte verpasste. Eine Gurke muss zwischen 400 und 500 Gramm wiegen. Sie darf nicht krumm sein, nicht zu gross und nicht zu klein. Sonst kommt sie nicht in den Verkauf.

Mona Vetsch mit der Familie Bösiger: (v. links) Philipp, Peter, Therese und Beat Bösiger.
Legende: Mona Vetsch mit der Familie Bösiger: (v. links) Philipp, Peter, Therese und Beat Bösiger. SRF

Bösiger ist ein Hightech-Betrieb mit 12 Hektaren Gewächshäuser, 150 Hektaren Freiland-Anbau. Jeder Tropfen Wasser genau dosiert, der Traktor ist Satelliten-gesteuert. Hattest Du da überhaupt etwas zu tun?

Ich war selbst überrascht, wie viele Stunden ich gebückt auf dem Feld stand. Das meiste ist immer noch Handarbeit. Zehn Stunden pro Tag wird gepflückt, sechs Tage pro Woche.

Das geht recht in den Rücken, und du musst bei jedem Wetter raus. In Holland gibt es schon Versuche mit Pflück-Robotern, aber die Schweizer Betriebe sind zu klein, als dass sich das lohnen würde.

Du hast auch in der Arbeiterunterkunft gewohnt. Was für Menschen hast du dort getroffen?

Silvia und ihr Mann Sorin haben mich fast «adoptiert» und jeden Tag zum Mitessen eingeladen. Die meisten saisonalen Erntehelfer kommen wie sie aus Rumänien oder aus Portugal.

Beim Salat schneiden lernte ich Ewa kennen. Sie musste ihre Kinder in Portugal zurücklassen, um hier zu arbeiten. Als Erntehelferin in der Schweiz verdient sie etwa das Sechsfache. Rund 3200 Franken brutto.

Spannend ist: weil es der Wirtschaft in Europa eher besser geht, hat Beat Bösiger Mühe, genügend Arbeitskräfte für die Schweiz zu finden.

Sind Bösigers Unternehmer oder Bauern?

Eine Vollblut-Bauernfamilie mit unternehmerischem Talent, würde ich sagen. Alles richtige «Chrampfer». Philipp, der Sohn von Beat, baut gerade einen eigenen Bio-Betriebszweig auf. Auch die Grosseltern Therese und Peter helfen noch täglich mit.

Sie haben mich stark an meine eigenen Grosseltern erinnert. Sowas wie Pension kennen sie nicht. Therese hat den Horror, weil sie bald zwei Wochen in die Ferien muss!

Was hast Du mitgenommen von Deinem Einsatz beim Grossgmüesler?

Ich habe aufgehört, im Gemüseregal vom Laden immer nach den «perfekten» Gurken und Tomaten zu «grüble». Wir als Konsumenten entscheiden mit, was verkauft wird. Je wählerischer wir sind, desto mehr Nahrungsmittel landen im Ausschuss.

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